Systemdienlichkeit gelingt nur mit mehr Windenergie im Süden
Gemeinsamer Appell von LEE Bayern, vbw, VBEW und VKU
Die aktuelle geopolitische Lage und die damit einhergehende internationale Energiekrise führen erneut vor Augen: energiepolitische Unabhängigkeit ist ein Muss für Deutschland. Wir erreichen sie, indem wir unsere Energieversorgung im Wesentlichen auf heimische und regenerative Quellen stützen. Sie machen ein über alle Wertschöpfungsstufen synchronisiertes System insgesamt resilient, bezahlbar und zukunftsfähig. Wir müssen die Transformation unseres Energiesystems entschlossen fortführen, um wirtschafts-, geo- und sicherheitspolitisch unabhängiger und damit souverän gegenüber labilen Energielieferanten zu werden.
Das von den Ländern geforderte 5 GW Sonderausschreibungsvolumen für Windenergie ist ein wichtiger Schritt in Richtung Versorgungssicherheit und Klimaneutralität. Den maximalen Nutzen für unser Energiesystem erreichen wir jetzt durch einen verstärkten Windenergieausbau in Süddeutschland.
Räumlich gesehen bestehen gerade in Bayern und Baden-Württemberg erhebliche Windstromlücken, die zügig geschlossen werden müssen. Wind- und PV-Strom nutzen im Zusammenspiel die verfügbaren Netzkapazitäten ideal aus und steigern damit die Effizienz im Stromsystem. Mit diesem wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag sichert der Windzubau Fortbestehen und Neuansiedlung großer Wirtschafts- und Industrieunternehmen und ermöglicht insgesamt eine sichere und kostengünstige Energieversorgung über Tages- und Jahreszeiten hinweg. Mit einem stärkeren Windausbau in Bayern und Baden-Württemberg gehen zudem ökonomische Vorteile für ganz Deutschland einher. Jährlich können dadurch beispielsweise bis zu 1,8 Mrd. € an Redispatchkosten eingespart werden. (S. Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. (2026): Potenzial zur Einsparung Redispatch durch Windenergie im Süden. Seite 5.)
Zeitlich gesehen muss die Energieversorgung ambitioniert auf regenerative Energien umgestellt werden. Zum einen erfordern dies die wachsenden und immer schneller aufeinanderfolgenden globalen Krisen wie Kriege und Naturkatastrophen. Zum anderen ist die Einhaltung der Klimaziele elementare Voraussetzung dafür, tiefgreifende ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Risiken zu vermeiden und durch Klimaschutz zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. Im EEG haben wir uns gemeinsam darauf geeinigt, bis 2030 115 GW installierte Leistung aus Wind (onshore) am Netz zu haben. Auch der REPowerEU-Plan wurde 2022 vor diesem Hintergrund entwickelt. Aus Unabhängigkeits- und Klimaschutzperspektive führt am Aufbau eines Energiesystems auf 100 % erneuerbarer Grundlage kein Weg vorbei.
Die unterzeichnenden Verbände sprechen sich deswegen dafür aus, 10 GW im Rahmen von Sonderausschreibungen für die südlichen Bundesländer zur Verfügung zu stellen.
Die Erneuerbaren-Verbände aus Bayern und Baden-Württemberg beziffern die Windstromlücke in ihren Ländern auf insgesamt rund 10 GW Leistung bis 2030 (Berechnungsgrundlage: Ausbaupfade nach § 4 EEG sowie daran orientierter Annahmen im Netzentwicklungsplan 2037/45). Die benötigten Mengen sollten bei nächster Gelegenheit in Form von Sonderausschreibungen für besagte Bundesländer zur Verfügung stehen. Die Zuschläge müssen bis 2028 vollständig erteilt sein, damit unter Berücksichtigung der Realisierungsdauer die EEG-Ziele für 2030 eingehalten werden können.
Sowohl aus Bayern als auch aus Baden-Württemberg liegen ausreichend Genehmigungsanträge vor, die sich in den Auktionsverfahren der BNetzA um einen Zuschlag bewerben werden. Für einen nachhaltigen Ausbau und echte Planungssicherheit schlagen die unterzeichnenden Verbände gesonderte Ausschreibungssegmente vor, an denen sich nur Projekte aus den südlichen Bundesländern beteiligen können. Um den genehmigten Anlagen Aussicht auf Realisierung zu gewähren, ohne den notwendigen Ausbau an anderer Stelle zu bremsen, sollte zunächst ein etwas größeres Kontingent zur Verfügung gestellt werden. Orientiert an den aktuellen Genehmigungszahlen und den Zubauannahmen der Übertragungsnetzbetreiber plädieren die Verbände für 6 GW bis Ende 2027, wobei 2 GW davon idealerweise schon in 2026 ausgeschrieben werden. Ab 2028 sollten dann jedes Jahr zusätzlich 4 GW Volumen zur Verfügung stehen.Darüber hinaus werden die im Bundesrat von den Ländern geforderte Sonderausschreibung in Höhe von 5 GW in 2026 und die Resilienzausschreibungen (NZIA) zusätzlich zu den im EEG verankerten Ausschreibungsmengen und den bereits angekündigten 12 GW Zusatzvolumen benötigt, um die Ziele erreichen zu können.
Darüber hinaus plädieren die Verbände für eine insgesamte Anhebung der Ausschreibungsvolumina auch für die Folgejahre. Mit ausreichend Flexibilisierungsoptionen kann die Windenergie ihrer Systemverantwortung gerecht werden.
Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. - VBEW
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