16.02.21

Die Bayerische Stromwende ist ins Stocken geraten

Der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. – VBEW hat die Entwicklung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren in Bayern analysiert und in einer Graphik veranschaulicht. Ein signifikanter Zuwachs war in den letzten fünf Jahren nicht mehr zu verzeichnen. Hinzu kommt ein wieder ansteigender Stromverbrauch. Alleine die volatile Photovoltaik kann nennenswerte Zuwächse für sich verbuchen und liegt als Spitzenreiter mittlerweile gleichauf mit der bedarfsgerechten Stromerzeugung aus Wasserkraft. „Bayern hat seine Vorrangstellung bei der klimafreundlichen Stromerzeugung längst an andere Bundesländer verloren. „Insbesondere im Winter sind wir zunehmend auf Stromimporte angewiesen. ‘Mir san Mir’, dieses bayerische Selbstwertgefühl gilt in der Stromversorgung nicht mehr. Das wäre vor zehn Jahren noch ein undenkbarer Zustand in Bayern gewesen, lässt sich aber zumindest für die nächsten zehn Jahre wohl nicht mehr entscheidend korrigieren“, sagt Detlef Fischer, VBEW-Geschäftsführer.

In Bayern wurde in den letzten Jahren knapp die Hälfte der benötigten Elektrizität aus heimischen Erneuerbaren Energien gedeckt. Das ist ein beachtlicher Erfolg! Dabei wird vereinfacht davon ausgegangen, dass jede in Bayern erzeugte Kilowattstunde (kWh) auch zeitgleich wieder in Bayern verbraucht wird, was physikalisch nicht für alle Stunden im Jahr gilt. So nimmt Bayern rege am Stromaustausch mit anderen Bundes- und Nachbarländern teil. Im Jahressaldo verbraucht Bayern seit einigen Jahren mehr Strom als es selbst erzeugt.

Seit 2017 steigt der Stromverbrauch in Bayern wieder an. Effizienzfortschritte durch sparsamere Geräte werden mittlerweile durch die fortschreitende Elektrifizierung, die gute Konjunktur der vergangenen Jahre und das Bevölkerungswachstum wieder aufgezehrt. Wenn sich das Stromverbrauchsverhalten nach der Corona-Krise wieder normalisiert hat, erwartet der VBEW einen weiter ansteigenden Stromverbrauch. Immer mehr Wärmepumpen und Elektroautos werden mit Elektrizität zu versorgen sein. Auch die zunehmende Anzahl von Computern und Rechenzentren sorgt für steigende Anforderungen nicht nur an die Stromerzeugung, sondern insbesondere auch an die Stromnetze.

Eine moderne, hochentwickelte Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass dann genügend Strom vorhanden ist, wenn dieser benötigt wird. Eine stabile Stromversorgung zu jeder Stunde, bei jeder Wetterlage und zu jeder Jahreszeit ist die unabdingbare Voraussetzung für eine gute wirtschaftliche Weiterentwicklung in Bayern. Dafür braucht es mit dem Abschalten der Kernkraftwerke in Bayern durch die Dezentralisierung der Stromversorgung mehr Erzeugungsanlagen, mehr Speicher und mehr Netzkapazitäten als früher.

„Dieser Winter hat es anschaulich aufgezeigt: Die Photovoltaik steht in den dunklen Monaten in Bayern quasi nicht zur Verfügung. Da nützt auch die größte Batterie nichts, wenn die Sonne tagelang nicht scheint und der Strombedarf weiter gedeckt werden muss. Die Batterie ist dann längst leer und bleibt auch leer“, stellt Detlef Fischer fest.

Die derzeitige Konzentration auf eine tages-, witterungs- und jahreszeitabhängige Stromerzeugung aus Photovoltaik und Windkraft springt daher viel zu kurz. Ein modernes Stromversorgungssystem besteht aus dem intelligenten Zusammenspiel von bedarfsgerechter Erzeugung, Speicherungen, Netzen und Verbrauchern. Die Bayerische Energiewirtschaft arbeitet mit Hochdruck an der Lösung dieser komplexen Aufgabe. Der Erfolg und die Kosten für die Verbraucher sind ganz maßgeblich abhängig von der Akzeptanz der Bevölkerung für die jeweils erforderlichen Maßnahmen.

„Die Politik darf die Probleme bei der Umsetzung der Energiewende nicht weiter kleinreden. Sie muss, vergleichbar mit der Bewältigung der Corona-Pandemie, der Bevölkerung beherzt den dringenden Handlungsbedarf verdeutlichen und den Rahmen für den Systemumbau durch die Energiewirtschaft mit möglichst wenig Details vorgeben. Die Beschleunigung der Energiewende ist nach der Bewältigung der Corona-Krise die nächste große gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch sie wird die eine oder andere Zumutung von der Bevölkerung abverlangen“, resümiert Detlef Fischer.

 

 

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