28.04.17

Bayerische Energieversorger erzeugen immer weniger Strom

Die für die öffentliche Stromversorgung zuständigen Energieversorgungsunternehmen in Bayern haben 2016 gegenüber 2007 um rund 30 Prozent weniger Strom erzeugt. Der Rückgang 2016 ist insbesondere auf das erste vollständige Jahr ohne Stromerzeugung aus dem Kernkraftwerk Grafenrheinfeld zurückzuführen. Es wurde Mitte des Jahres 2015 außer Betrieb genommen. Nach der Kernkraft ist die Wasserkraft weiterhin die mit Abstand größte Quelle der öffentlichen Stromerzeugung in Bayern. Die Erdgaskraftwerke konnten auf niedrigem Niveau im Vergleich zu den Vorjahren zulegen. „Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Stromerzeugung aus Erdgas und Wasserkraft in den nächsten Jahren für Bayern, denn diese garantieren unsere Versorgung immer dann, wenn der Strom aus Sonne und Wind nicht zur Verfügung steht,“ sagte Wolfgang Brandl, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – VBEW.

Im Jahr 2007 haben die Kraftwerke der allgemeinen Versorgung noch rund 74.140 Millionen kWh Strom erzeugt. Im Jahr 2016 waren es nach der Erhebung des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung noch rund 51.647 Millionen kWh. Maßgeblich für diese Entwicklung sind das Abschalten der Kernkraftwerke Isar 1 im Jahr 2011 und Grafenrheinfeld im Jahr 2015 sowie der Rückgang der Stromerzeugung aus Erdgas insbesondere in den Jahren 2012 bis 2014.

Bei der Stromerzeugung der weiteren Energieträger ist die Wasserkraft besonders beachtenswert. Im Vergleich zum zuletzt sehr ordentlichen Wasserkraftjahr 2013 erzeugten die bayerischen Wasserkraftwerke 2016 aufgrund des eher unterdurchschnittlichen Wasserdargebotes mit rund 10.773 Millionen kWh rund 1.000 Millionen kWh weniger Strom als in 2013, aber doch rund 750 Millionen kWh mehr als im Jahr 2015 (s. Grafik).

Zum Stromverbrauch in 2016 liegen noch keine amtlichen statistischen Zahlen vor. Er ist in Bayern auch in den letzten Jahren weiterhin deutlich angestiegen und liegt derzeit nach VBEW-Schätzung bei rund 90.000 Millionen kWh. Allein in den letzten 10 Jahren hat nach offizieller Statistik der Stromverbrauch um 25 % zugelegt. Die „fehlenden“ Strommengen durch die Energieversorger werden beispielsweise von Landwirten und Bürgern mit Biogas- und Photovoltaikanlagen in das lokale und regionale Stromnetz eingespeist oder aus anderen Ländern über Stromleitungen importiert. Zudem wird auch immer mehr Strom von der Industrie und privaten Haushalten selbst erzeugt und gleich vor Ort verbraucht. Die statistische Erfassung dieser Strommengen gestaltet sich zunehmend schwierig.

Die Struktur der bayerischen Stromerzeugung verändert sich fundamental. In diesem Jahr geht ein weiteres Kernkraftwerk vom Netz.

Spätestens bis Ende 2022 gehen mit den Kernkraftwerken Gundremmingen (Block B: 2017, Block C: 2021) und Isar 2 (2022) weitere 4.000.000 kW Leistung vom Netz und erzeugen jährlich rund 30.000 Millionen kWh weniger Strom. Dann haben die bayerischen Elektrizitätserzeuger innerhalb von 15 Jahren rund zwei Drittel ihrer angestammten Stromproduktion verloren. „Es wird von allen große Anstrengungen erfordern, diese Lücke unter Aufrechterhaltung von Versorgungssicherheit, Preiswürdigkeit und Umweltfreundlichkeit schließen zu können. Wer dabei nur auf heimische Sonne, Wind und Biomasse setzt, gibt sich einer Illusion hin und wird dieses Zieldreieck verfehlen“, sagte Wolfgang Brandl.

Strom selbst erzeugen heißt auch Verantwortung für Andere übernehmen.

Die Sicherstellung der Stromversorgung eines hochentwickelten Landes mit einer leistungsfähigen Industrie- und Dienstleistungsstruktur wie in Bayern zu jeder Zeit ist vor allem eine komplexe technische Aufgabe, die ein hohes Maß an Expertenwissen und eine jederzeit verfügbare Technik voraussetzt.

Leider bestimmt aber auch die Bürokratie fortlaufend und zunehmend das Tagesgeschäft der bayerischen Energieversorger. Waren von den Netzbetreibern vor 20 Jahren noch keine 20 §§ zu beachten gewesen, so sind es im Jahr 2017 über 800 §§ geworden.

 „Lag die Verantwortung für eine sichere Stromversorgung früher auf den wenigen Schultern der großen Kraftwerksbetreiber, so erzeugen jetzt in Bayern auch mehrere 100.000 Bürger ebenfalls Strom für die Allgemeinheit. Es ist noch nicht allen klar, dass sie damit auch eine Verantwortung für das Gesamtsystem übernommen haben,“ sagte Wolfgang Brandl.

Initiates file download

Initiates file download 

Weitere Informationen:

Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. - VBEW
Kommunikation
Akademiestraße 7
80799 München

Tel. 089 / 38 01 82-45
Fax 089 / 38 01 82-29
E-Mail: vbew@vbew.de
Internet: http://www.vbew.de