Initiates file downloadPdf zum Download.

Der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. - VBEW setzt sich für einen effizienten Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien als Bestandteil der öffentlichen Energieversorgung ein. Das Ziel, dass sich alle Energieträger im technologieoffenen Wettbewerb untereinander behaupten können, sollte dabei möglichst zügig erreicht werden. Welche erneuerbaren Energien in Bayern im Fokus stehen und welche konkreten Herausforderungen damit verbunden sind, beleuchten die folgenden Positionen. Der VBEW fordert eine Entwicklung, bei der nicht nur die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgebaut wird, sondern auch deren Systemintegration voranzutreiben ist. Die Deckung des im Vergleich zum Stromsektor deutlich größeren Gebäudewärme- und des Mobilitätsbedarfes durch erneuerbare Energien muss mehr Beachtung finden.

1. Status quo der bayerischen Stromerzeugung und Ziele bei der Nutzung von erneuerbaren Energien

Der in Bayern verbrauchte Strom stammt derzeit zu über 80 Prozent aus kohlendioxidfreien Quellen. Über 30 Prozent des Stromverbrauchs werden aus erneuerbaren Energien gedeckt. Dieser wird überwiegend durch große und viele kleine grundlastdeckungsfähige Wasserkraftwerke aber zunehmend auch aus Biomasse und den wetter-, jahreszeit- und tageszeitabhängigen Energieträgern Sonne und Wind bereitgestellt.

Die Nutzung erneuerbarer Energien schont die Ressourcen endlicher Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas, vermindert die Emissionen an umweltschädlichen Stoffen, schützt das Klima, verringert die Importabhängigkeit von Primärenergieträgern und liefert damit einen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung für uns nachfolgende Generationen.

Die geförderte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist in den vergangenen Jahren schneller als erwartet aus der „Nische“ gewachsen. Sie muss sich daher zügig in den liberalisierten europäischen Markt integrieren. Der technologieoffene Wettbewerb auch unter den erneuerbaren Energieträgern ist wieder zu stärken. Er muss zum wesentlichen Element von Fortschritt und Innovation in der Stromerzeugung werden.

Konventionelle und erneuerbare Energieträger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Insbesondere der Energieträger Erdgas aber auch die Kohle ist der Partner der erneuerbaren Energien für die nächsten Jahrzehnte.

Nach oben

2. Energiegewinnung muss mehr Priorität erhalten

Die derzeitige Form des Natur- und Landschaftsschutzes konnte sich unsere Gesellschaft nur leisten, weil die Energieversorgung durch den Einsatz von importierten fossilen und nuklearen Primärenergieträgern mit einer sehr überschaubaren Flächen- und Rauminanspruchnahme verbunden war. Die Energieversorgung Bayerns mit einer hohen industriellen und gewerblichen Wertschöpfung auf Grundlage heimischer erneuerbarer Energien ist aber zwangsläufig mit einer hohen Flächen- und Rauminanspruchnahme verbunden. Damit wird die Konkurrenzsituation zwischen Natur- und Landschaftsschutz und der Energiegewinnung erheblich verschärft. Da der Umbau der Energieversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energien letztendlich dem Klimaschutz und damit dem Erhalt unserer wichtigsten Lebensgrundlage dient, ist eine entsprechende Priorisierung der Energiegewinnung unausweichlich. Nur dann sind die ehrgeizigen Ziele des Bayerischen Energiekonzeptes „Energie innovativ“ vom Mai 2011 und deren anschließenden Fortschreibungen zu einer Energieversorgung komplett auf Grundlage erneuerbarer Energien erreichbar.

Der Staat ist gefordert, auch durch entsprechende Verweise an die zuständigen Genehmigungsbehörden zu verdeutlichen, dass die verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien von übergeordneten öffentlichen Interesse ist und dem Wohl der Allgemeinheit dient. Das Ergebnis des bisherigen Abwägungsprozesses der unterschiedlichen Interessen bedarf einer neuen Bewertung, was insbesondere für Wasserkraftprojekte wichtig ist. Auch in Schutzgebieten (z.B. FFH/NATURA 2000) muss ein ergabnisoffenes Genehmigungsverfahren möglich sein.

Nach oben

3. Ausbauziele für erneuerbare Energien realistisch definieren

Das Ziel der Bundesregierung und der Bayerischen Staatsregierung, einen wachsenden Anteil des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken, wird von der bayerischen Energiewirtschaft ausdrücklich unterstützt. Durch die Außerinbetriebnahme der bayerischen Kernkraftwerke bis in das Jahr 2022 wird es aber enorme Anstrengungen erfordern, die definierten Klimaziele unter volkswirtschaftlich akzeptablen Bedingungen zu erreichen und die Systemstabilität nicht zu gefährden.

Das zentrale Ziel der Bayerischen Staatsregierung, 50 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs schon 2021 durch Stromerzeugung aus heimischen erneuerbaren Energien zu decken, ist unter Berücksichtigung des zu erwartenden Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums sehr ambitioniert. Es kommt entscheidend darauf an, die zunehmend witterungs-, jahreszeit- und tageszeitabhängig anfallenden Strommengen aus Wind- und Sonnenenergie an den Strombedarf anzupassen und damit unter volkswirtschaftlich akzeptablen Bedingungen in ein modernes Energieversorgungssystem zu integrieren. Der Zubau an volatilen Erzeugungskapazitäten muss daher auch viel besser mit dem Ausbau der Netze synchronisiert werden. Gleichzeitig muss die Speicherentwicklung vorangetrieben werden. Der derzeit enorme administrative Aufwand zur Bewirtschaftung des Systems ist zu reduzieren.

Nach oben

4. Hebbare Potentiale und volkswirtschaftliche Kosten von erneuerbaren Energieträgern berücksichtigen

Jeder Energieträger muss sich entsprechend seines langfristigen energie- und volkswirtschaftlichen Nutzens an Kriterien messen lassen wie Potential, Versorgungssicherheit, Verfügbarkeit, Ressourcenschonung, Klimaverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Diese Maxime muss auch für die erneuerbaren Energien gelten. Ein Überbewerten oder Vernachlässigen einzelner Kriterien führt zu Fehlentwicklungen. Für die Entscheidung zur Nutzung und Förderung erneuerbarer Energien sind daher die Berücksichtigung des möglichen Zuwachspotentials sowie die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten (neue und vermiedene) wesentliche Gesichtspunkte.

Wasserkraft ist und bleibt auf lange Sicht die wichtigste und wertvollste erneuerbare Energiequelle zur Stromerzeugung in Bayern. Sie deckt in Jahren mit hohem Wasseraufkommen schon heute deutlich über 15 Prozent des Stromverbrauchs. Wirtschaftlich sinnvoll nutzbares Ausbaupotential ist in jedem Fall durch Neubau, Modernisierung und Nachrüstung von Anlagen mit über 1.000 Millionen kWh jährlich vorhanden. Der Anteil der Wasserkraft an der Deckung des bayerischen Strombedarfs kann damit im Mittel auf rund 17 Prozent gesteigert werden. Wasserkraft hat gegenüber anderen erneuerbaren Energien erhebliche energiewirtschaftliche Vorteile, insbesondere die kontinuierliche Verfügbarkeit (hohe Benutzungsdauer) und den günstigen Erntefaktor (Verhältnis zwischen Nutzenergie zur im Anlagenlebenszyklus aufgewendeten Energie). Sie verursacht keine systembedingten energiewirtschaftlichen Zusatzkosten. Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke leisten wertvolle Beiträge zur Bereitstellung von Regel- und Reserveleistung für den Ausgleich der fluktuierenden Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik. Wasserkraft erfüllt damit optimal die energiepolitischen Ziele einer sicheren und nachhaltigen Energieversor­gung. Daher gilt es, die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im Einklang mit der wirtschaftlichen Wasserkraftnutzung zu gestalten. Dazu gehören die Absicherung des Bestands und der umweltverträgliche Ausbau der Stromerzeugung aus Wasserkraft unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Belange (siehe auch VBEW-Positionen zur Wasserkraft).

Biomasse ist ein erneuerbarer Energieträger mit einem relevanten wirtschaftlich vertretbar nutzbaren Ausbaupotential in Bayern. Insbesondere Wärme – mit oder ohne Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – kann aus Biomasse erzeugt werden. Bei nachhaltiger Bewirtschaftung der Wälder und landwirtschaftlicher Flächen für energetische Zwecke kann die Biomasse langfristig auch mit etwa 16 Prozent zur Deckung unseres Stromverbrauches – ohne ungewünschte Nutzungskonflikte hervorzurufen – beitragen (Quelle: FfE-Studie „Biomassenutzung in Bayern – Potentiale und Techniken für die Stromerzeugung, Dez. 2006“).

Die energetische Nutzung von heimischer Biomasse aus festen (z. B. Waldholz), flüssigen (z. B. Pflanzenöle) und gasförmigen (z. B. Biogas aus anaerober Vergärung, Biomethan) Einsatzstoffen zur Produktion von Strom und/oder Wärme ist daher energiewirtschaftlich sinnvoll und kann Wertschöpfung in strukturschwachen Regionen schaffen. Die Veredelung von Biogas auf Erdgasqualität zur Einspeisung in das gut ausgebaute bayerische Erdgastransport- und -verteilernetz ist besonders sinnvoll, wenn die erzeugte Gasmenge vor Ort nicht effizient (Strom und Wärme) genutzt werden kann.

In Kooperation mit den Lieferanten für nachwachsende Rohstoffe engagiert sich die bayerische Energiewirtschaft für die energetisch rationelle Verwertung der Biomasse unter Beachtung aller umweltrelevanten Rahmenbedingungen. Die Beachtung der Erfordernisse des Grundwasserschutzes ist uns dabei ein besonders wichtiges Anliegen.

Windkraft bot lange im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands in Bayern ein eher kleines sinnvoll nutzbares Potential. Grund ist die in weiten Teilen des Landes geringe durchschnittliche Windgeschwindigkeit. Durch die Errichtung von Windkraftanlagen mit Nabenhöhen deutlich über 100 m können die geographischen Nachteile in Bayern in einigen Gebieten kompensiert werden. Jedoch steigt unabhängig davon die Erzeugung von Strom aus Windkraft mit der 3. Potenz der Windgeschwindigkeit (d. h. Verdoppelung der Windgeschwindigkeit führt zur Verachtfachung der Stromerzeugung). Windkraft ist daher ein verstärkt volatiler Stromerzeuger, der einen überproportional hohen Bedarf an Regel- und Reservekraftwerkskapazitäten erfordert.

Es sollten Anlagen an den Standorten errichtet werden, die auch einen angemessenen Ertrag erwarten lassen. Die bayerische Energiewirtschaft leistet ihren Beitrag, die wirtschaftlich interessanten Windenergiepotentiale zu heben. Überzogene Anforderungen an Abständen von Windkraftanlagen zur Wohnbebauung leisten dazu keinen Beitrag.

Geothermie, die Nutzung der Erdtiefenwärme, eignet sich in Bayern aufgrund des Temperaturniveaus vorrangig für die Wärmenutzung. Die Möglichkeiten einer effizienten Stromerzeugung mittels Kraft-Wärme-Kopplung sind mit derzeit geschätzten 300 MW Leistung (Quelle: Bayerische Staatsregierung, Bayerisches Energiekonzept „Energie innovativ“, Mai 2011) eher begrenzt. Durch das Ausnutzen bodennaher Erdwärme, d. h. gespeicherte Sonnenenergie mittels strom- oder gasbetriebenen Wärmepumpen zu gewinnen, ist es möglich, den Raumwärmemarkt als einen der größten Energieanwendungsbereiche mit niedrigen CO2-Vermeidungskosten zu erschließen. Deshalb wird diese Technologie von der bayerischen Energiewirtschaft schon seit vielen Jahren unterstützt.

Solarstrom aus Photovoltaikanlagen besitzt eine stark von der direkten Sonneneinstrahlung abhängige Einspeisecharakteristik. Erhebliche Zusatzkosten fallen an, um den Strom aus Photovoltaikanlagen bedarfsgerecht dem Verbraucher zur Verfügung stellen zu können. Die derzeitige Form der Breitenförderung mit insbesondere für Bestandsanlagen sehr hohen Vergütungssätzen für eingespeisten und selbstverbrauchten Strom aus netzgekoppelten Anlagen im eher sonnenscheinarmen Deutschland ist daher energie- und volkswirtschaftlich problematisch. Die zuletzt durchgeführten Vergütungsabsenkungen der Bundesregierung können nur als ein erster Schritt angesehen werden, eine bereits langfristig wirksame erhebliche Fehlallokation von Fördermitteln – die von den Stromkunden aufgebracht werden – zu korrigieren.

Solarthermische Anlagen ermöglichen bereits heute nahezu ohne Förderung die Nutzung von Sonnenenergie zur Wärmebereitstellung.

Als Resümee ist festzuhalten, dass an die schnelle verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien zur bedarfsgerechten Stromerzeugung in Bayern mit vertretbaren volkswirtschaftlichen Kosten keine übertriebenen Erwartungen in der Öffentlichkeit erweckt werden dürfen. Dafür sind grundsätzlich nur die Wasserkraft, die Biomasse und die Geothermie geeignet. Wind und Photovoltaik werden in Bayern auch auf absehbare Zeit keinen wesentlichen Beitrag zur bedarfsgerechten Deckung des Stromverbrauchs rund um die Uhr, zu allen Jahreszeiten und damit zu Versorgungssicherheit leisten können. Biomasse, Wind und vor allem die Photovoltaik haben ein erhebliches technisches Ausbaupotential, das derzeit aber nur mit großem weiteren Subventionsaufwand und Zusatzkosten zu heben sein wird. Große und noch weitgehend unerschlossene Potentiale für den Einsatz von erneuerbaren Energien liegen in der Erschließung des Raumwärmemarktes durch strom- und gasbetriebene Wärmepumpen, durch die Solarthermie sowie durch die passive Nutzung der Sonnenenergie.

Nach oben

5. Volkswirtschaftliche Effizienz der Förderung erneuerbarer Energien verbessern

Die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien erfordert unter heutigen Randbedingungen eine gezielte Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit garantierten Vergütungssätzen oder durch geförderte Direktvermarktung für die erzeugte Energie. Das derzeitige Prinzip der pauschalen Förderung nach der Bedürftigkeit der Technologie und der Anlagengröße führt zum Teil zu einer Überförderung und damit zu Ineffizienzen und Mitnahmeeffekten, die durch noch mehr Wettbewerbselemente bei der Förderung vermieden werden könnten. Ziel muss es bleiben, mit der kleinstmöglichen Gesamtförderung ein optimales Potential an erneuerbarer Energie über die Wirtschaftlichkeitsschwelle zu heben. Deshalb sind vermehrt Anreize zur weiteren Entwicklung der Technologien notwendig.

Das EEG in der gültigen Fassung ist viel zu komplex in der Anwendung und eröffnet zahlreiche Interpretationsspielräume zur Inanspruchnahme der geförderten Vergütung für den eingespeisten Strom. Dies gilt insbesondere für die Vergütungssystematik für Biomasse- und Photovoltaikanlagen.

Die Kosten für den Umbau der Stromversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energieträger müssen der Gesellschaft ehrlich und transparent vermittelt werden. Dass die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien bei den derzeitigen Marktpreisen unausweichlich zu deutlich höheren Strompreisen führt, muss auch die Politik der Öffentlich­keit bewusst machen.

Die Ausgewogenheit in der Fördereffizienz zwischen den einzelnen erneuerbaren Energiequellen ist derzeit nicht gegeben (vgl. Tabelle).

Tabelle: EEG-Förderung nach Energieträgern 2014 in D (Prognose)

Energieträger

Strommenge
[GWh]

Strommenge
[%]

Förderungsanteil3)
[%]

Wasser 1)

6.154

4,1

1,8

Gase 2)

1.824

1,2

0,2

Biomasse

34.945

23,4

25,2

Geothermie

130

0,1

0,1

Windenergie

69.588

46,6

24,7

Photovoltaik

36.595

24,5

48

Summe:

149.237

100

100

1) nach EEG geförderte Anlagen
2) Deponie-, Klär- und Grubengas
3) auf Grundlage Auszahlungen an Anlagenbetreiber

Quelle: ÜNB-Veröffentlichung zur EEG-Umlage 2014, 15.10.2013

Nach oben

6. Stromerzeugung in Bürgerhand erfordert Mitverantwortung für ein komplexes Gesamtsystem

Die „Energieversorgung in Bürgerhand“ kann die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende steigern. In Bayern beteiligen sich über 400.000 unterschiedliche nicht der öffentlichen Versorgung zuzurechnende Anlagenbetreiber an der Stromerzeugung. Sie decken damit weit über 10 Prozent des Stromverbrauches.

Beteiligung an der Energieversorgung bedeutet aber vor allem auch Verantwortung für Versorgungs- und Anlagensicherheit, Preisgünstigkeit und Umweltfreundlichkeit. Der bislang auf die Energieversorgungsunternehmen zugeschnittene Ordnungsrahmen muss auf diese Entwicklung hin überprüft und entsprechend ergänzt werden.

Dass der Preis für den Strombezug aus dem öffentlichen Netz mit rund 50 Prozent Aufschlag für Steuern, Abgaben und Umlagen belastet wird und die Eigenerzeugung mit Vorortverbrauch aus erneuerbaren Energien hingegen davon in vielen Fällen vollständig befreit ist, führt zu einer erheblichen Benachteiligung der öffentlichen Stromversorgung und gefährdet das Umlagensystem zur Finanzierung der Energiewende. Die leitungsgebundene Energieversorgung beruht auf dem Solidaritätsprinzip, getragen durch alle Nutzer.

Nach oben

7. Förderung der erneuerbaren Energien in allen Anwendungsbereichen weiterentwickeln

Bei der Diskussion über eine nachhaltige Energieversorgung muss die Wahrnehmung der großen Bedeutung bei der Energiebereitstellung für Wärme und Verkehr noch deutlich stärker werden. Die bislang recht einseitige Fokussierung auf Elektrizität führt zu Fehlentwicklungen beim Ausbau der erneuerbaren Energienutzung. Die Energiekonzepte der Bundesregierung und der Bayerischen Staatsregierung leisten wichtige Ansätze zu einer Korrektur der Fördermittelzuweisung, die nun aber auch schnellstmöglich in die Praxis umzusetzen sind.

So können Solarthermie und bodennahe Geothermie (Wärmepumpeneinsatz) kostengünstig einen bedeutenden Beitrag zur Energieversorgung leisten und die Importabhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Gebäudebereich deutlich verringern. Die Benachteiligung der elektrischen Wärmepumpe gegenüber anderen Heizsystemen durch Steuern und Umlagen auf den benötigten Strom als Hilfsenergie ist auch aus diesem Grund zu korrigieren.

Durch das verstärkte Nutzen von erneuerbaren Energien in allen Energieverbrauchssektoren (Prozess- und Raumwärme, mechanische Energie für die Mobilität, etc.) und für alle End-Energieträger (Elektrizität, gasförmige und flüssige Brennstoffe, etc.) ist eine noch ressourcen- und umweltschonendere Form der Energieverwendung möglich. Zudem sind die Auswirkungen des EEG auf den EU-Emissionshandel zu berücksichtigen. Eine Harmonisierung der Klimaschutzförderinstrumente auf EU-Ebene ist nowendig.

Nach oben

8. Erneuerbare Energien durch Investitionen in die Netz- und Kraftwerksinfrastruktur in das Versorgungssystem integrieren

Dezentrale Stromerzeugung hat grundsätzlich das Potential, zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität beizutragen.

Der massive Zubau von Photovoltaik-, Biomasse- und Windkraftanlagen erfordert allerdings in Bayern erhebliche Investitionen, vor allem in die Nieder- und Mittelspannungsnetze. Die Sozialisierung dieser Kosten in die Netznutzungsentgelte der betroffenen Netzbetreiber verhindert zunehmend die Kostentransparenz bei der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Da die Netzausbaukosten nicht in den bundesweiten Belastungsausgleich nach dem EEG einfließen, sind Netzbetreiber mit vielen EEG-Anlagen vor allem in strukturschwachen Gebieten besonders betroffen. Dies ist kontraproduktiv für die Ansiedlung von Gewerbe und die Sicherung von Arbeitsplätzen und vermindert somit die Entwicklungschancen dieser strukturell ohnehin benachteiligten Regionen. Die Netzbetreiber dürfen nicht auf den Folgekosten für den Netzausbau sowie für die Vorhaltung von Regel- und Reserveenergie sitzen bleiben.

Die räumliche Verteilung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien muss sich effizient an der vorhandenen Netz- und Kraftwerksstruktur orientieren (Standortentscheidung). Das Vorrangprinzip für Netzanschluss und Stromabnahme unabhängig von der Situation vor Ort muss durch ein intelligentes aber auch handhabbares Erzeugungs-, Last- und Speichermanagement (Smart Grid) abgelöst werden.

Forschung und Entwicklung im Bereich der Speichertechnologien sind zu forcieren. Vor diesem Hintergrund ist auch der verstärkte Einsatz der oftmals aus rein ökologischer Sicht gescholtenen Schwell- und Speicherwasserkraft-werke zu überdenken.

Nach oben

9. Verbesserung der Biomassenutzung durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)

Die Wertigkeit von erneuerbaren Energien ist an den Entwicklungen des Marktes, an der bedarfsgerechten Verfügbarkeit und an der Umweltbeeinträchtigung der zu substituierenden fossilen Energieträger zu messen. Infolgedessen unterstützt die bayerische Energiewirtschaft die Bemühungen von Anlagenplanern sowie -betreibern, vor allem Biomasse in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) hocheffizient zur Strom- und Wärmeerzeugung zu nutzen.

10. Der Preis und die Komplexität entscheiden über den Erfolg der Energiewende

Der Zugang zu bezahlbarer Energie für jedermann ist ein wesentlicher Eckpfeiler für Wohlstand und sozialen Frieden in unserem Land. Die Energiewende darf die Gesellschaft nicht in Gewinner und Verlierer spalten. Daher sind die Lasten für den Umbau der Energieversorgung möglichst gerecht auf „alle Schultern“ zu verteilen. Ausnahmen für bestimmte Verbrauchergruppen gehen immer zu Lasten anderer und sind daher vom Gesetzgeber auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken.

Jede zusätzliche Belastung der Preise für den Strombezug aus dem allgemeinen Netz beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der leitungsgebundenen Energieversorgung im Vergleich zur Eigenerzeu­gung/Selbstverbrauch unserer Kunden.

Derzeit laufen die Kosten für den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien völlig aus dem Ruder. Das EEG als der maßgebliche Treiber dieser Entwicklung muss daher noch grundsätzlicher neu ausgerichtet werden. Dabei muss die echte Marktintegration mit wirklichen Chancen und Risiken für die Anlagenbetreiber als wichtigstes Ziel im Vordergrund stehen.

Zugleich sind die Förderbedingungen des EEG zu komplex geworden. Der damit verbundene administrative Aufwand zur Umsetzung der Bestimmungen des EEG ist von den stromaufnehmenden und vergütungspflichtigen Netzbetreibern kaum noch zu leisten. Vor dem Hintergrund, dass allein in Bayern bald 500.000 Anlagen nach dem EEG abgewickelt werden, ist es dringend geboten, das Gesetz massengeschäftstauglich auszugestalten.

Nach oben

11. Energiesparen und rationelle Energieverwendung voranbringen

Oft sind das Energiesparen und die rationelle Energieverwendung im Sinne einer nachhaltigen Energieversorgung kostengünstiger als das Bereitstellen von Energie. Energiesparen verdient daher als Emissions- und Ressourcenvermeidungstechnologie mehr Beachtung und ist ein zwingend notwendiger Schritt zum Ausgleich der unausweichlich steigenden Kostenbelastung durch eine Energieversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energien.

Die Anstrengungen im Bereich von Forschung und Entwicklung sowie die Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit und in den Schulen sind diesbezüglich zu verstärken. Dabei ist der besonderen Rolle von Elektrizität und von Erdgas als Schlüsselenergien für Modernisierung und Innovation Rechnung zu tragen. Die bayerische Energiewirtschaft leistet ihren Beitrag zur rationellen und sparsamen Energieverwendung.

Nach oben

Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Stand: 20.10.2014