25.11.11

Oberste Priorität für Versorgungssicherheit: Verantwortung für sichere Energieversorgung muss auf allen Schultern verteilt werden

Nicht zuletzt durch die eingeleitete Beschleunigung der Energiewende befindet sich vor allem die bayerische Stromversorgung in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Überall im Land entstehen Photovoltaik-, Biogasanlagen sowie Windparks. „Während die Verantwortung für die sichere Energieversorgung in der Hand von rund 300 Versorgungsunternehmen in Bayern liegt, ist die Energieerzeugung im Freistaat inzwischen auf mehrere hundertausend Schultern verteilt. Diese neuen Partner müssen ebenfalls ihren Beitrag zur Aufrechterhaltung einer sicheren Energieversorgung leisten,“ sagte Norbert Breidenbach, Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. – VBEW.

Die bayerischen Netzbetreiber sorgen dafür, dass rund 350.000 nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Anlagen jeden Monat pünktlich ihr Geld, die EEG-Vergütung, für die eingespeiste Energie erhalten. Die Mehrkosten gegenüber am freien Markt beziehbarer Elektrizität zahlen alle Stromkunden über die gesetzliche EEG-Umlage. Allein diese Umlage wird 2012 einen Anteil von über 15 Prozent an der Stromrechnung für private Haushalte erreichen.

Die Unternehmen der Energiewirtschaft sorgen auch dafür, dass die EEG-Anlagen vorrangig an das Netz der öffentlichen Versorgung angeschlossen werden und dass die durch diese Anlagen erzeugte Energie, sei es Strom oder Bio-Erdgas, vorrangig in das Netz der allgemeinen Versorgung eingespeist wird. Die eigenen Anlagen zur Stromerzeugung werden entsprechend zurückgefahren.

„Rund 99 Prozent der EEG-Anlagen und über 10 Prozent der erzeugten Strommenge in Bayern können nicht der öffentlichen Versorgung zugerechnet werden, da diese Anlagen nicht von Energieversorgungsunternehmen betrieben werden. Es besteht zunehmend Handlungsbedarf, die Betreiber von EEG-Anlagen zusätzlich zu den Rechten auch stärker mit Pflichten auszustatten, denn sie beteiligen sich immer bedeutsamer am komplexen System der Energieversorgung unseres Landes“, sagte Norbert Breidenbach, Vorsitzender des VBEW.

So ist zum Beispiel die Netzstabilität durch stark schwankende Einspeiseleistungen aus erneuerbaren Energiequellen einer zunehmend höheren Belastung ausgesetzt. Bislang schalten sich bei Erreichen einer Stromnetzfrequenz von 50,2 Hertz schlagartig mehrere hunderttausend Photovoltaikanlagen ab und gefährden damit die Stabilität des bayerischen, deutschen und europäischen Stromnetzes. „Die anstehende Nachrüstung von voraussichtlich mehreren hunderttausend Photovoltaikanlagen in Deutschland wird zur ersten Nagelprobe, inwieweit die Anlagenbetreiber bereit sind, Systemverantwortung zu übernehmen,“ sagte Breidenbach. Die Verordnung, die die Nachrüstung regelt, und die vom Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium derzeit erarbeitet wird, ist zum 01.01.2012 geplant.

Im Jahr 2021 soll gemäß Bayerischem Energiekonzept vom Mai 2011 eine Anlagenleistung an Wind- und Photovoltaikanlagen von 19.000 MW in Bayern installiert sein. „Wenn der Wind tüchtig weht und die Sonne schön scheint, gibt es ein Überangebot an Strom, da wir selbst zu Spitzenzeiten in Bayern nur rund 12.000 MW benötigen. Bei Flaute, Regenwetter und bei Dunkelheit stehen uns diese beiden regenerativen Stromquellen aber quasi überhaupt nicht zur Verfügung,“ erläuterte VBEW-Geschäftsführer Detlef Fischer.

„Wir müssen also alles daran setzen, wieder verstärkt an einer bedarfsgerechten Stromgewinnung zu arbeiten, sonst bauen wir heute die Enttäuschungen von morgen. Es wäre fatal für unsere Volkswirtschaft, wenn wir eine Zwei-Wege-Energieversorgung schaffen. Schon jetzt versuchen insbesondere die industriellen Stromverbraucher unterstützt von der Politik, sich aus der Vielzahl von staatlichen Umlagen auf den Strompreis zu befreien. Die einen sollen günstig mit Energie zur Sicherung der Arbeitsplätze versorgt werden und die anderen – im wesentlichen Haushalte, Kleingewerbe und Landwirtschaft – sollen über staatliche Umlagen die Privilegien bezahlen. Diese Rechnung wird auf Dauer nicht aufgehen“, sagte Fischer.

Die bayerischen Energieversorger investieren in alle Bereiche der Nutzung der erneuerbaren Energien. Sie errichten Erzeugungsanlagen zur Strom-, Wärme- und Biogasgewinnung, betreiben die Netze zur Aufnahme und Verteilung von Strom, Wärme und Bio-Erdgas und entwickeln neue Vertriebsprodukte, um die erneuerbaren Energien in den Markt zu integrieren. Sie betrachten dabei immer die gesamte Wertschöpfungskette der Energieversorgung. „Für eine bedarfsgerechte und kostenbewusste Versorgung mit Energie zum Wohle aller in unserer Gesellschaft ist es jedoch erforderlich, nicht nur auf die Stromerzeugung mit fluktuierenden Stromquellen aus Wind und Sonne zu setzen, sondern das Gesamtsystem vom erforderlichen Erzeugungsmix über den Transport bis hin zur Endkundenbelieferung zu berücksichtigen“, sagte Breidenbach.

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