25.05.16

Bayerische Energieversorger erzeugen immer weniger Strom

Die für die öffentliche Stromversorgung zuständigen Energieversorgungsunternehmen in Bayern haben 2015 gegenüber 2007 rund 25 Prozent weniger Strom erzeugt. Der Rückgang 2015 ist insbesondere auf die Außerbetriebnahme des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld Mitte des Jahres zurück-zuführen. Die Erdgaskraftwerke konnten auf niedrigem Niveau im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas zulegen. „Wir brauchen die Erdgaskraftwerke in Bayern dringender denn je, denn sie garantieren unsere Versorgung immer dann, wenn der Strom aus Sonne und Wind nicht zur Verfügung steht,“ sagte Wolfgang Brandl, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – VBEW.

Im Jahr 2007 haben die Kraftwerke der allgemeinen Versorgung noch rund 74.140 Millionen kWh Strom erzeugt. Im Jahr 2015 waren es nach der Erhebung des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung noch rund 55.850 Millionen kWh. Maßgeblich für diese Entwicklung sind das Abschalten der Kernkraftwerke Isar 1 im Jahr 2011 und Grafenrheinfeld im Jahr 2015 sowie der Rückgang der Stromerzeugung aus Erdgas insbesondere in den Jahren ab 2012.

Bei der Stromerzeugung der weiteren Energieträger ist die Wasserkraft besonders beachtenswert. Im Vergleich zum sehr ordentlichen Wasserkraftjahr 2013 erzeugten die bayerischen Wasserkraftwerke 2015 aufgrund der deutlich geringeren Niederschläge und der nahezu ausgefallenen Schneeschmelze wie in 2014 rund 1.700 Millionen kWh (minus 15 Prozent) weniger Strom (s. Grafik); die Wasserkrafterzeugung lag damit auf dem Niveau von 2014.

Zum Stromverbrauch in 2015 liegen noch keine amtlichen statistischen Zahlen vor. Er ist in Bayern auch in den letzten Jahren weiterhin deutlich angestiegen und liegt derzeit nach VBEW-Schätzung bei rund 90.000 Millionen kWh. Allein in den letzten 10 Jahren hat der Stromverbrauch um 25 % zugenommen. Die „fehlenden“ Strommengen durch die Energieversorger werden beispielsweise von Landwirten und Bürgern mit Biogas- und Photovoltaikanlagen in das Stromnetz eingespeist oder aus anderen Ländern über Stromleitungen importiert. Es wird aber auch immer mehr Strom von der Industrie und privaten Haushalten selbst erzeugt und gleich vor Ort verbraucht.

Die Struktur der bayerischen Stromerzeugung verändert sich fundamental

Spätestens bis Ende 2022 gehen mit den Kernkraftwerken Gundremmingen (2 Blöcke) und Isar 2 (1 Block) weitere 4.000.000 kW Leistung vom Netz und erzeugen jährlich rund 30.000 Millionen kWh weniger Strom. Damit haben die bayerischen Elektrizitätserzeuger innerhalb weniger Jahre dann rund zwei Drittel ihrer angestammten Stromproduktion verloren. „Es wird große Anstrengungen erfordern, diese Lücke unter Aufrechterhaltung von Versorgungssicherheit, Preiswürdigkeit und Umweltfreundlichkeit schließen zu können. Wer dabei nur auf heimische Sonne, Wind und Biomasse setzt, gibt sich einer Illusion hin“, sagte Wolfgang Brandl.

Strom selbst erzeugen heißt auch Verantwortung für Andere übernehmen

Die Sicherstellung der Stromversorgung zu jeder Zeit eines hochentwickelten Landes mit einer leistungsfähigen Industrie- und Dienstleistungsstruktur wie in Bayern ist vor allem eine komplexe technische Aufgabe, die ein hohes Maß an Expertenwissen und eine jederzeit verfügbare Infrastruktur voraussetzt.

Zunehmend bestimmt aber auch die Bürokratie das Tagesgeschäft der bayerischen Energieversorger. Allein für die administrative Abwicklung der Förderung der rund 500.000 Anlagen, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) subventioniert werden, beschäftigen die zuständigen Stromnetzbetreiber rund 1.000 hochqualifizierte Mitarbeiter/innen.

„Lag die Verantwortung für eine sichere Stromversorgung früher auf wenigen Schultern, so erzeugen jetzt in Bayern mehrere 100.000 Bürger ebenfalls Strom. Allen sollte klar sein, dass sie damit auch eine Verantwortung für das Gesamtsystem übernehmen müssen,“ sagte Wolfgang Brandl.

 

 

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