25.11.16

Bayern: Immer mehr erneuerbarer und weniger konventioneller Strom

Mit dem Energieprogramm der Bayerischen Staatsregierung wurden im letzten Jahr neue Ziele zur Umsetzung der Energiewende gesetzt: Etwa 40 % des bayerischen Strombedarfs sollen bis 2025 aus heimischen erneuerbaren Energien gedeckt werden. „Bayern ist auf einem guten Weg, die selbst gesteckten Ziele im Bereich der erneuerbaren Stromerzeugung zu übertreffen“, so Wolfgang Brandl, Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – VBEW. Denn insbesondere aufgrund des Ausbaus der Photovoltaik, der Windkraft und der energetischen Nutzung der Biomasse konnte für das Gesamtjahr 2015 bereits ein Anstieg auf 38 % vermeldet werden. „Angesichts dieser Situation und der in Paris beschlossenen Zielsetzung einer klimaneutralen Energiewirtschaft bis möglichst 2050 halten viele die derzeitigen Ausbauziele der Bayerischen Staatsregierung für wenig ambitioniert. Doch steigende Strompreise, allem voran bedingt durch die Förderung der erneuerbaren Energien, haben die bayerische Politik wohl von ihren ursprünglich höheren Ausbauzielen aus 2011 Abstand nehmen lassen“, so Brandl weiter.

Steigender Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch

Nach VBEW-Berechnungen wurde 2015 so viel Strom aus heimischen erneuerbaren Energien erzeugt, dass damit zumindest rein rechnerisch rund 38 % des bayerischen Verbrauchs hätten gedeckt werden können (bezogen auf den Nettostromverbrauch 2013, inkl. Leitungsverluste und Pumpstromverbrauch, aktuellere Zahlen liegen nicht vor). Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat Bayern aufgrund der geographischen und meteorologischen Bedingungen traditionsgemäß einen hohen Anteil an Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse.

Wasserkraft bleibt größter erneuerbarer Stromerzeuger, doch der Abstand zur Photovoltaik (PV) schmilzt weiter

Mit Stand 31.12.2015 waren in Bayern über 500.000 PV-Anlagen mit einer Leistung von 11.300 MW installiert, die 11 TWh Strom im Gesamtjahr 2015 erzeugten. Im Bereich der Biomasse erzeugten rund 3.900 Anlagen mit einer installierten Leistung von über 1.400 MW elektrische Energie im Umfang von 8,7 TWh. Aufgrund der Wasserarmut insbesondere im 1. Halbjahr blieb die Wasserkraft auch im Jahr 2015 von ihren Höchstwerten entfernt und stellte mit rund 4.200 Anlagen und einer Gesamtleistung von knapp 2.950 MW rund 11,2 TWh Strom bereit – und damit knapp 3 TWh weniger als im besonders wasserreichen Jahr 2000. Die rund 1.000 bayerischen Windkraftanlagen speisten mit einer installierten Leistung von über 1.800 MW ca. 2,8 TWh in das Netz der allgemeinen Versorgung ein. Die Windkraft verzeichnete damit in 2015 die größte Steigerung mit zusätzlich 1 TWh Strom in ihrer noch jungen Geschichte.

Wasserkraft und Biomasse sind wetterunabhängig und damit wertvolle Basis einer zuverlässigen erneuerbaren Stromversorgung

Aufgrund der zeitlich sehr volatilen und damit nicht bedarfsgerechten Erzeugung der Wind- und PV-Anlagen – und der weiterhin fehlenden Speichermöglichkeiten – wird ein immer größer werdender Teil der Produktion nicht in Bayern verbraucht, sondern muss exportiert werden. Zu Zeiten mit wenig Wind und Sonne ist Bayern hingegen auf Importe angewiesen. Durch den weiteren Kernenergieausstieg, der spätestens am 31.12.2022 abgeschlossen sein muss, wird sich die Situation weiter verschärfen, denn insgesamt werden so noch weitere 4.000 MW an gesicherter Erzeugungsleistung in Bayern wegfallen. Wasserkraft und Biomasse stehen hingegen gleichmäßig zur Verfügung und können mit etwa 20 % Erzeugungsanteil in Bayern eine verlässliche Grundlage für die Stromversorgung bilden. Auch Geothermie kann wetterunabhängig genutzt werden, spielt aber bei der Stromerzeugung auch auf lange Sicht eine geringe Rolle. Ein weiterer Ausbau von Windkraft und PV erfordert zusätzlich den Bau von Netzen, Speichern und auch neuen Erzeugungseinheiten, die aus Erdgas Strom erzeugen, um wetterbedingte Schwankungen ausgleichen zu können. „Hier muss ein Teil der Gesellschaft noch lernen zu akzeptieren, dass dies zur erheblichen Inanspruchnahme unserer Landschaft führen wird, wenn die Energiewende gelingen soll“, fasst Wolfgang Brandl die Erfahrungen der letzten Jahre zusammen.

Bayern: Stromverbrauch steigt, Stromerzeugung geht zurück

Insgesamt geht die Stromerzeugung in Bayern seit dem Höchststand im Jahr 2012 zurück. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Aufwuchs der Stromerzeugung aus den erneuerbaren Energien den Rückgang der Stromerzeugung aus Kernkraft und Erdgas im Jahressaldo nicht mehr ausgleichen kann. Bayern ist damit bei weiter zunehmendem Stromverbrauch bereits seit 2013 zum Stromimportland geworden. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich noch weiter verstärken. „Wir sind in Bayern künftig noch stärker auf eine gute Einbindung in den europäischen Strommarkt angewiesen, damit wir Industrie, Gewerbe und Bürger weiterhin zuverlässig rund um die Uhr mit Strom versorgen können“, stellt der VBEW-Vorsitzende pragmatisch abschließend fest.

 

 

 

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