Nachbericht: Bayerische Energie- und Wassertage 2026 

Premiere in Regensburg setzt neuen Branchenmaßstab 

Mit den ersten Bayerischen Energie- und Wassertagen (BEWT26) haben der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) und die DVGW Landesgruppe Bayern am 8. und 9. Juli 2026 im marinaforum Regensburg erstmals ein neues Kongressformat veranstaltet. Rund 300 Entscheidungsträger*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sicherheitsbehörden nutzten die Premiere für einen intensiven Austausch über die zentralen Zukunftsfragen der Energie- und Wasserversorgung im Freistaat. Das Format knüpft an die frühere Jahrestagung von VBEW und DVGW an, führt deren Tradition jedoch in einem inhaltlich deutlich erweiterten Rahmen fort. 

Eröffnet wurde der Kongress von Stefan Dworschak (Vorsitzender DVGW Landesgruppe Bayern, Geschäftsführer SWM Infrastruktur) und Klaus Steiner (Vorsitzender VBEW, Geschäftsführer Stadtwerke Dorfen), die die Teilnehmenden auf zwei Tage voller Fachdebatten, Netzwerken und politischer Impulse einstimmten. 

Tag 1: Verlässlichkeit, Finanzierung und die Zukunft der Energieinfrastruktur 

Eröffnungsrede Klaus Steiner: „Bitte liefern Sie jetzt." 

In seiner Grundsatzrede formulierte VBEW-Vorsitzender Klaus Steiner die Erwartungen der Branche an die Politik mit Klarheit. Sein Kompass: Realismus und Verlässlichkeit. Die Energie- und Wasserwirtschaft sei bereit, Milliarden in die Transformation zu investieren – Voraussetzung seien jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen statt permanenter Unsicherheit. 

Steiners zentrale Forderungen waren: 

  • EEG 2027 rechtzeitig liefern – ein Fadenriss zum 1. Januar 2027 wäre fatal. Nötig seien die gesetzliche Verankerung zusätzlicher 10 GW Windenergie an Land, eine temporäre Süd-Quote von 30 Prozent sowie ein praxistauglicher Übergang zur Direktvermarktung. 

  • EEG und Netzpaket zusammen denken – „Netzkapazität ist das neue Gold des Energiesystems." Erzeugungsausbau, Netzanschlüsse und Finanzierung müssten künftig deutlich besser aufeinander abgestimmt werden. 

  • Finanzierung als Achillesferse – angemessene Eigenkapitalverzinsung, faire Kostenverteilung und günstige Kommunalkredite für die bayerischen Versorger. 

  • Sicherheitspakt Bayern – klare Zuständigkeiten zwischen Bund, Land und Unternehmen sowie ein reduzierter öffentlicher Zugang zu sensiblen Infrastrukturdaten. 

  • Wasser als Lebensader – Vorrangregelungen, Ressourcenschutz und faire Lastenverteilung. 

Keynote Hubert Aiwanger: Technologieoffenheit und Wettbewerbsfähigkeit 

Der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger, bekannte sich in seiner Keynote zu einem breiten, technologieoffenen Energiemix. Die Energieversorgung benötige alle Energiearten und müsse diese sinnvoll kombinieren. Neben Wasserkraft, Biomasse, Solar- und Windenergie nannte er auch Wasserstoff, Geothermie sowie Gaskraftwerke als Bestandteile einer sicheren Versorgung. 

Aiwanger forderte Nachbesserungen beim EEG sowie beim geplanten Netzpaket des Bundes. Bayern setze sich insbesondere für bessere Rahmenbedingungen beim Ausbau der Windenergie im Süden, mehr Flexibilität beim Netzbetrieb und verlässliche Investitionsbedingungen für Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik ein. Mit seinem Appell „Kraft voraus bei der Windkraft" traf er sich direkt mit der VBEW-Forderung nach mehr systemdienlichem Windzubau im Süden. 

  

 

Themenblock Energie und Breakout-Sessions 

Der Themenblock Energie brachte die europäische, technologische und systemische Perspektive zusammen: Jan Van Elst (Rat der EU) ordnete die energiepolitischen Weichenstellungen aus Brüssel ein, Prof. Dr. Gerald Linke (DVGW) beleuchtete Wasserstoff als „Gamechanger für die Stromwirtschaft", und Dominique Ernst (TenneT) zeigte auf, wie die Stabilität des Stromnetzes künftig effizient gesichert werden kann. 

Am Nachmittag vertieften drei parallele Breakout-Sessions die Debatte: 

  • Strom: Bayerische Netzpolitik, Speicherboom und Digitalisierung mit Prof. Dr.-Ing. Frank Messerer (StMWi) und Malte Sunderkötter (LEW). 

  • Wasser: 20 Jahre Benchmarking Bayern – Rückblick und Bilanz mit Markus Rauh (VBEW), Harald Kiesl (HEWA) und Tanja Martin (Rödl). 

  • Gas / Wasserstoff: H₂-Hochlauf aus europäischer und bayerischer Sicht mit Jorgo Chatzimarkakis (Hydrogen Europe), Stephan Bauer (RAG Austria), Stefan Henn (Wacker), Dr. Matthias Jenn (bayernets) und Dr. Alexander Struck (BAYERNOIL). 
     

  

 

Ein zentraler Befund des Tages: In Bayern wurde 2024 fast eine Terawattstunde Solarstrom abgeregelt – produzierter Strom, der nicht transportiert werden konnte. Ein struktureller Beleg dafür, dass Erzeugungs- und Netzausbau dringend synchronisiert werden müssen. EEG 2027 und Netzpaket, so das Fazit, sind „Siamesische Zwillinge". 

Festabend mit der REWAG 

Der Festabend wurde von Dr. Robert Greb und Sandra Wimmer (beide Vorstand REWAG) eröffnet. Ein Grußwort richtete der bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber, an die Teilnehmenden – er bekräftigte die Notwendigkeit des Schulterschlusses zwischen Branche, Politik und Verwaltung, da die Zukunftsaufgaben nur gemeinsam bewältigt werden können. Für intelligente Unterhaltung sorgte anschließend Business-Kabarettist Dr. Oliver Tissot, bevor Dr. Egon Leo Westphal (Vorstandsvorsitzender Bayernwerk AG) die ENERGIEBAR powered by Bayernwerk eröffnete und den Abend bis in die Nacht in Networking, Cocktails und Musik übergehen ließ. 

Tag 2: Transformation, KI und der Schwerpunkt Resilienz 

Der zweite Kongresstag wurde von Marian Rappl (Hauptgeschäftsführer VBEW) und Robert Scherer (Geschäftsführer DVGW Landesgruppe Bayern) eröffnet. Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, zog in ihrem Impuls eine Bilanz nach einem Jahr Schwarz-Rot und formulierte, was die Branche jetzt vom Bund braucht. 

Im Themenblock Transformation zeigten Dr. Robert Greb und Sandra Wimmer am Beispiel der REWAG, wie ein regionaler Versorger den Umbau von Erzeugung, Netz und Vertrieb konkret umsetzt. Der anschließende Themenblock Wasser widmete sich mit Dr. Christian Mikulla (Bay. Umweltministerium), Stefan Dworschak (SWM) und Jan Kunau (Fernwasserversorgung Franken) dem Spannungsfeld aus Klimawandel, Resilienz und Finanzierung. Klarer Befund: Hitzewellen, sinkende Grundwasserspiegel und Nutzungskonkurrenzen sind keine Worst-Case-Szenarien mehr, sondern Realität – wer sichere Versorgung will, muss heute investieren, nicht morgen. 

Einen erfrischend anderen Blick brachte Jim Sengl (KI.M – KI Kompetenzzentrum Medien, Mediennetzwerk Bayern) mit seinem Reality-Check „Was KI kann – und was nicht" ein. 

  

 

Den inhaltlichen Höhepunkt des zweiten Tages bildete der Themenblock Resilienz kritischer Infrastruktur. Vier hochkarätige Perspektiven zeichneten ein gemeinsames Bild der neuen Bedrohungslage: 

  • Prof. Dr. Rafaela Kraus (Universität der Bundeswehr München) – „Unsichtbare Risiken, reale Folgen: Kritische Infrastruktur im Zeitalter hybrider Bedrohungen". 

  • Landespolizeipräsident Michael Schwald – Zeitenwende und die neuen Herausforderungen für die Bayerische Polizei. 

  • Daniela Hildenbrand (Head of Counter-UAS Solutions, HENSOLDT AG) – Detektion und Abwehr von Drohnen: Praxiserfahrungen und Perspektiven. 

  • Generalmajor Stefan Lüth (Amtschef Planungsamt der Bundeswehr) – Möglichkeiten und Grenzen der Bundeswehr beim Schutz der Energie- und Wasserinfrastruktur. 

Konkrete Vorfälle in Berlin, Garching und Reutlingen zeigten: Hybride Bedrohungen, Sabotage und Cyberangriffe sind längst Realität. Die Erkenntnis des Panels: Resilienz ist keine Einzelleistung einzelner Betreiber, sondern ein System aus Verantwortung, Koordination, Rechtsklarheit und Übung – und braucht das Zusammenwirken von Bund, Ländern, Kommunen, Sicherheitsbehörden, Bundeswehr und Wirtschaft. 

  

 

Fazit: Die Branche liefert – jetzt ist die Politik am Zug 

Die Bayerischen Energie- und Wassertage 2026 haben eindrucksvoll gezeigt: Die bayerische Energie- und Wasserwirtschaft ist bereit, Verantwortung für Transformation, Versorgungssicherheit und Resilienz zu übernehmen. Die Branche verbindet fachliche Tiefe, Innovationskraft und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Jetzt sind Politik und Gesetzgeber gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen für Investitionen, den Infrastrukturausbau und den Schutz kritischer Versorgungsstrukturen zu schaffen – kohärent, schnell und verlässlich. 

Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Teilnehmenden, Partnern, Aussteller*innen und Medienpartnern, der REWAG und dem Bayernwerk für die Ausgestaltung des Festabends sowie dem Team des marinaforums und der Gastgeberstadt Regensburg. 

Zum Programmheft der Veranstaltung kommen Sie hier.

Save the Date: Die Bayerischen Energie- und Wassertage 2027 finden am 14. und 15. Juli 2027 in München statt. 

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